VERLETZLICHKEIT! FLUCH ODER SEGEN?

Warum fällt es uns nur so schwer zu zeigen wie be- und gerührt wir sind? Warum entschuldigen wir uns für unsere Traurigkeit? Warum haben wir so große Angst vor dem Scheitern? Warum können wir unsere wahren Gefühle nicht jedem zeigen?

Verletzlichkeit ruft Angst in uns hervor und sie tut uns weh. Sie ist eng verknüpft mit Schmerz und Leid. Verletzlichkeit ist uns peinlich und wir schämen uns für sie. Wenn man in seinem Leben oft verletzt wurde, möchte man nie mehr verletzt werden und dafür tun wir einiges. Wir entschuldigen uns für unsere Verletzlichkeit, wir unterdrücken unsere Gefühle, wir gehen kein Risiko mehr ein.

Aussagen unseres Umfelds wie: „Der ist ja eine Memme.“ „Was für eine Heulsuse.“ „Totaler Versager.“ und auch die Ansicht das Verletzlichkeit eine Schwäche ist, verstärken unsere Abneigung gegenüber Verletzlichkeit. Es sind wohl diese Erfahrungen, welche uns in unserer Verletzlichkeit so verletzlich machen.

Nicht immer ist unser aktuelles Umfeld aber wirklich so hart zu uns, wenn wir uns verletzlich zeigen. Wenn man die Verletzlichkeit genauer betrachtet ist auch nicht sie das Problem, sondern die Scham, die wir empfinden, wenn negative Reaktionen auf unsere Verletzlichkeit folgen.

Scham zu empfinden lässt uns denken „Ich bin nicht gut genug.“ oder „Ich bin schlecht“. Hier werden unsere innere Kritiker oder Stimmen laut, die uns glauben lassen, wir genügen nicht. Diese tiefsitzenden Glaubenssätze entstanden während unserer Kindheit und Jugend und begleiten und verfolgen uns. Sie sitzen so tief, dass sie von uns nicht mehr in Frage gestellt werden.

WIE ENTSTEHT NUN SCHAM GENAU?

Scham entwickelt sich am Ende des ersten Lebensjahres bzw. am Anfang des zweiten.

Während das Kind nun immer mobiler wird, auf Entdeckungsreise geht und ziemlich stolz auf sich ist, nutzen Eltern Scham um zu erziehen. Wenn das Kind etwas tut, was es nicht tun soll, folgt z.B ein „Pass auf!“ oder ein „Achtung“. Das Kind stellt nun sein Tun sofort ein und erstarrt vielleicht sogar.

Die Natur scheint diesen Mechanismus, zu unserem Schutz installiert zu haben, damit unser Überleben bei Gefahr gesichert ist.

Wenn Eltern nun ihr Kind wieder beruhigen, die Kinder merken, dass sie keine Schuld haben, alles wieder gut ist, kann das Kind wieder mit Freude und Neugier die Welt entdecken. Schlimm wird es, wenn Eltern Ihr Kind demütigen. „Du kannst nichts.“ oder „Bist du denn total doof.“ Dadurch entwickelt sich toxische Scham bis hin zur Schamrage.

DEN PREIS, DEN WIR ZAHLEN, UM KEINE SCHAM MEHR ZU EMPFINDEN, IST DIE AUFGABE UNSERER VERLETZLICHKEIT.

Ein Kampf mit uns selbst beginnt. Wir haben das Gefühl, nicht richtig zu sein. Wir hören auf zu fühlen und verlieren uns dabei, wir sind nicht mehr wir selber, sind rund um die Uhr damit beschäftigt, so wenig Verletzung wie möglich zu erfahren. Wir können keine Lebensfreude mehr spüren und lösen uns dann förmlich auf.

Was wir jetzt brauchen ist die Auflösung unserer toxischen Scham. Wir müssen wieder lernen, liebevoller und gnädiger mit uns umzugehen. Wir sollten uns öfters etwas Nettes sagen und aufhören uns ständig selber zu beleidigen, um uns damit immer wieder aufs Neue zu verletzen.

EIN HOCH AUF DIE VERLETZLICHKEIT.
  • Verletzlichkeit macht uns menschlich und liebenswert.
  • Verletzlichkeit macht uns berührbar und zart.
  • Verletzlichkeit verbindet.
  • Verletzlichkeit lässt uns wachsen. Durch sie sind wir kreativer und innovativer.
  • Ohne sie gäbe es keine Liebe. Denn nur, wenn ich mit traue, die Nähe einer anderen Person zuzulassen oder als erster „Ich liebe dich zu sagen“ kann ich das Wunder Liebe erfahren und mich mit anderen Menschen verbinden.
  • Verletzlichkeit erfordert großen Mut. Und Mut ist das Gegenteil von Angst. Und zu viel Angst macht krank.
  • Nur wenn ich auch verletzlich sein kann, kann ich auch Freude, Liebe und Glück empfinden.

Deine Katrin

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